Neuwied feiert Frauentag mit Film und Appell für mehr politische Teilhabe
Francesco SchenkNeuwied feiert Frauentag mit Film und Appell für mehr politische Teilhabe
Lokale Veranstaltung in Neuwied feiert Internationalen Frauentag mit Filmvorführung und Appellen für mehr politische Teilhabe
Über 100 Gäste versammelten sich am 8. März zu einem Empfang der Arbeitsgemeinschaft für Gleichstellung der Stadt Neuwied. Anlässlich des Internationalen Frauentags stand eine Vorführung des Dokumentarfilms "Die Unbeugsamen 2: Guten Morgen, Schöne" auf dem Programm, der das Leben von Frauen in der DDR vor und nach der Wiedervereinigung beleuchtet.
Der Film stieß auf großes Interesse bei den Anwesenden und löste lebhafte Diskussionen über anhaltende Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern aus. Edith Sauerbier, Gewerkschaftssekretärin beim DGB, richtete sich in einer Rede an das Publikum und betonte die Bedeutung der Wahlbeteiligung von Frauen bei den anstehenden Landtagswahlen.
Deutschlands Weg zur Gleichberechtigung bleibt ungleich Obwohl die rechtliche Gleichstellung 1958 verankert wurde, verliefen die Reformen in Westdeutschland nur zögerlich – etwa bei der Neuregelung der Ehegattenrechte 1957 oder der Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe, die erst 1997 umgesetzt wurde. Die DDR hingegen förderte früh die Erwerbstätigkeit und rechtliche Stellung von Frauen, sodass Ostdeutsche nach der Wiedervereinigung 1990 zunächst bessere Startbedingungen hatten.
Doch trotz dieses Vorsprungs holten Frauen in den neuen Bundesländern bei der Besetzung politischer und Führungspositionen im Vergleich zu ihren westdeutschen Kolleginnen nur langsam auf. Bundesweit gab es zwar Fortschritte, etwa eine höhere Frauenquote in der Bundesverwaltung seit 2019, doch die Lohnlücke besteht weiter: Frauen verdienen nach wie vor weniger als Männer bei gleicher Arbeit.
Erfolge und Baustellen der Gleichstellung Die Neuwieder Veranstaltung machte sowohl die Errungenschaften als auch die verbleibenden Herausforderungen auf dem Weg zur Geschlechtergerechtigkeit deutlich. Zwar profitierten Ostfrauen von den frühen DDR-Politikansätzen, doch bei politischer und kultureller Repräsentation hinken sie den Entwicklungen in Westdeutschland hinterher. Die Organisator:innen betonten, wie wichtig weitere Maßnahmen sind – von Arbeitsmarktreformen bis hin zu einer höheren Wahlbeteiligung von Frauen.