03 April 2026, 02:12

EMAF in Osnabrück: Streit um palästinensische Künstlerin und BDS-Kritik

Plakat für ein Münchner Festival mit einem Bild einer Frau umgeben von Menschen und Bäumen mit Text.

EMAF in Osnabrück: Streit um palästinensische Künstlerin und BDS-Kritik

Das Europäische Medienkunstfestival (EMAF) in Osnabrück sieht sich mit Kritik konfrontiert, nachdem es beschlossen hat, einen Kurzfilm der palästinensischen Künstlerin Larissa Al-Sharif zu zeigen. Im Mittelpunkt des Streits stehen ihre politischen Ansichten, die einige Verantwortliche als antisemitisch einordnen. Die Festivalveranstalter hingegen verteidigen ihre Entscheidung mit dem Verweis auf künstlerische Freiheit und ein ausgewogenes Programm.

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Die Auseinandersetzung hat auch lokale Politiker erreicht, darunter den Kulturdezernenten der Stadt und den Ministerpräsidenten des Landes, die sich beide von der Veranstaltung distanziert haben.

Die diesjährige Ausgabe des EMAF unter dem Motto "Eine unvollendete Versammlung" widmet sich dem Spannungsfeld zwischen künstlerischer Freiheit und Verantwortung. Zu den ausgewählten Werken gehört Al-Sharifs "Morning Circle", ein Film, den das Festival seit Jahren fördert. Während der Vorstand hinter ihrem Beitrag steht, richtet sich die Kritik nicht gegen das Kunstwerk selbst, sondern gegen ihre Äußerungen in sozialen Medien, in denen sie ihre Unterstützung für die BDS-Bewegung (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen) zum Ausdruck gebracht hat.

Osnabrücks Kulturdezernent Wolfgang Beckermann gab zu, dass er es bevorzugt hätte, Al-Sharifs Werk aus dem Programm zu nehmen. Sowohl die Stadtverwaltung als auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) haben sich öffentlich von der Veranstaltung distanziert – mit Verweis auf Befürchtungen, es könnte antisemitische Tendenzen geben. Gleichzeitig betonte die Landesregierung, sie respektiere die programmatische Unabhängigkeit des Festivals.

Der Oberbürgermeisterkandidat der Linken, Thomas Groß, warnte davor, Vorwürfe des Antisemitismus zu instrumentalisieren, um palästinensische Perspektiven zum Schweigen zu bringen. Seiner Meinung nach dürfe offene Debatte nicht unter politischem Druck erstickt werden. Das Festival seinerseits verwies auf die langjährige Zusammenarbeit mit palästinensischen Künstlern und betonte, dass im Programm auch jüdische und israelische Standpunkte vertreten seien.

Der Konflikt spiegelt die größeren Spannungen in Deutschland wider, wo die BDS-Bewegung seit einer Bundestagsresolution von 2019, die sie als antisemitisch einstuft, mit starkem Widerstand konfrontiert ist. Es folgten Einschränkungen bei der öffentlichen Förderung und kulturelle Boykottmaßnahmen, auch wenn Institutionen wie das Goethe-Institut vor einer Überregulierung warnen, die abweichende Meinungen unterdrücken könnte. Aktivistengruppen, darunter BDS Berlin, setzen sich weiterhin für palästinensische Rechte ein und halten die Debatte in der Öffentlichkeit präsent.

Trotz der politischen Gegenwehr wird das EMAF Al-Sharifs Film wie geplant zeigen. Die Veranstalter bestehen darauf, dass künstlerischer Ausdruck geschützt werden müsse – selbst wenn er umstritten ist. Die Haltung des Festivals unterstreicht den anhaltenden Konflikt zwischen Meinungsfreiheit, politischem Aktivismus und den Grenzen des sagbaren Diskurses im deutschen Kulturbetrieb.

Quelle