Cybergrooming und digitale Gewalt: Wie Schulen Jugendliche vor Missbrauch schützen wollen
Conrad PechelCybergrooming und digitale Gewalt: Wie Schulen Jugendliche vor Missbrauch schützen wollen
Sexuelle Belästigung und Missbrauch im Netz unter Jugendlichen erreichen alarmierende Ausmaße
Eine Studie aus dem Jahr 2025 ergab, dass fast ein Viertel der Minderjährigen in Deutschland bereits Cybergrooming erlebt hat – also gezielte Ansprache durch Täter in Chats, die später in Missbrauch eskaliert. Gleichzeitig zeigt eine breitere Erhebung, dass nahezu jeder zweite junge Mensch mit einer Form digitaler sexualisierter Gewalt konfrontiert ist.
Als Reaktion darauf nehmen regionale Initiativen an Fahrt auf. Nach einem wegweisenden dreijährigen Pilotprojekt in Thüringen haben mittlerweile über 500 Schulen in Bundesländern wie Bayern und Nordrhein-Westfalen ähnliche Präventionsprogramme eingeführt. Doch bundesweite Daten zu deren Verbreitung sind Stand April 2026 noch lückenhaft.
Thüringens Vorreiterrolle: Aufklärung mit Bingo und Workshops Zwischen 2020 und 2023 führte Thüringen ein einzigartiges Präventionsprojekt durch, finanziert vom Landesjugendamt. Yasmina Ramdani leitete Workshops an Schulen in der gesamten Region und erreichte rund 5.000 Schülerinnen und Schüler der fünften bis achten Klasse. Ihr Ansatz umfasste unter anderem ein Bingo-Spiel, um Gespräche über digitale Risiken anzuregen: Die Jugendlichen wurden zu ihrer App-Nutzung befragt, und Begriffe wie Grooming oder imagebasierte Gewalt wurden erklärt.
Lehrkräfte fühlen sich oft überfordert Viele Pädagoginnen und Pädagogen erkennen zwar den Handlungsbedarf bei digitaler sexualisierter Gewalt, doch häufig fehlt ihnen das nötige Rüstzeug. Oft geschehen Vorfälle in Peer-Groups oder Klassenchats, wo mangelnde Medienkompetenz und Naivität zu Grenzüberschreitungen führen. Expertinnen und Experten betonen, dass auch Eltern ihr eigenes Online-Verhalten reflektieren und mit Kindern offen über Einvernehmlichkeit und Privatsphäre sprechen müssen.
Prominenter Fall bringt Thema in den Fokus Weitere Aufmerksamkeit erhielt das Thema, nachdem die Schauspielerin Collien Fernandes ihren Ex-Mann, Christian Ulmen, öffentlich der digitalen Gewalt beschuldigte. Ihr Fall zeigte, wie sich Online-Missbrauch zunehmend an offline Mustern orientiert – besonders gegen Frauen. Prävention, so argumentieren Aktivistinnen, sei weit kostengünstiger als die Bewältigung der langfristigen Traumata durch solche Übergriffe.
Modellprojekt wirkt nach – doch Daten fehlen Obwohl das Thüringer Pilotprojekt 2023 endete, diente es anderen Bundesländern als Vorbild. Seitdem haben über 500 Schulen Workshops eingeführt, doch eine zentrale Erfolgsmessung gibt es nicht. Nun liegt der Fokus darauf, Fortbildungen für Lehrkräfte und Eltern auszubauen – beides entscheidend, um Schäden frühzeitig zu verhindern.






