Wirtschaftsthemen verschwinden aus Talkshows – doch Unternehmer kommen öfter zu Wort
Francesco SchenkWirtschaftsthemen verschwinden aus Talkshows – doch Unternehmer kommen öfter zu Wort
Eine neue Studie zeigt einen Wandel in Deutschlands führenden politischen Talkshows: Wirtschaftsthemen werden seltener behandelt, während gleichzeitig Vertreter aus der Wirtschaft häufiger zu Wort kommen. Die Analyse der Otto-Brenner-Stiftung aus dem Jahr 2025 untersuchte Formate wie hart aber fair und Maybrit Illner und kam zu dem Ergebnis, dass sich trotz Forderungen nach stärkerer Einbindung der Wirtschaft in Zeiten des wirtschaftlichen Abschwungs immer weniger Sendungen mit Wirtschaftspolitik beschäftigen.
Die Studie umfasste fünf große Talkshows von ARD und ZDF, moderiert von Markus Lanz, Caren Miosga, Maybrit Illner (Maybrit Illner), Frank Plasberg (hart aber fair) und Sandra Maischberger (Maischberger). Dabei zeigte sich, dass 2025 nur noch 20 Prozent der Folgen wirtschaftliche Themen behandelten – ein Rückgang gegenüber 33 Prozent im Jahr 2023. Gleichzeitig stieg in drei der zwölf analysierten Formate die Häufigkeit wirtschaftsbezogener Diskussionen deutlich an, wobei vermehrt Unternehmer zu Gast waren, während Gewerkschaftsvertreter seltener eingeladen wurden.
Die Gästezusammenstellung blieb stark von Politikern (41 Prozent), Journalisten (27 Prozent) und Ökonomen (14 Prozent) geprägt. Unternehmer machten lediglich fünf Prozent der Teilnehmer aus, Vertreter aus der Industrie nur zwei Prozent. Selbst in Sendungen mit wirtschaftlichem Schwerpunkt fehlten in 32 Prozent der Fälle komplett Stimmen aus der Wirtschaft.
Besonders hart aber fair hob sich hervor: 39 Prozent der Folgen widmeten sich wirtschaftlichen Themen – und in allen waren Vertreter der Wirtschaft vertreten. Dagegen verzichtete Maischberger in 80 Prozent der wirtschaftsbezogenen Sendungen auf eine unternehmerische Perspektive. Die Ergebnisse lösten Kritik der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) aus, einer wirtschaftsnahen Organisation. Deren Geschäftsführer Thorsten Alsleben warf den Sendern vor, wirtschaftliche Debatten in der Krise zu vernachlässigen. Die Ausgrenzung von Wirtschaftsvertretern untergrabe eine ausgewogene Berichterstattung, so Alsleben, der eine stärkere Einbindung forderte, um die Krise wirksam zu bewältigen.
Die Studie verdeutlicht ein wachsendes Ungleichgewicht in Deutschlands politischen Talkshows: Wirtschaftliche Diskussionen nehmen ab, obwohl die Forderung nach mehr unternehmerischer Beteiligung laut wird. Da nach wie vor vor allem Politiker und Medienvertreter die Gästelisten dominieren, deutet die Kritik von Organisationen wie der INSM auf Reformdruck hin – etwa bei der Art und Weise, wie Sender wirtschaftliche Herausforderungen thematisieren.






