24 April 2026, 06:12

Wie die Dresdner Obergraben-Presse zur Underground-Kunstlegende wurde

Ein detailliertes Zeichnung des Schlosshof-Gebäudes in Dresden, Deutschland, mit zahlreichen Fenstern und Statuen, skizziert auf einem Blatt Papier mit sichtbarem Text.

Wie die Dresdner Obergraben-Presse zur Underground-Kunstlegende wurde

Ende der 1970er Jahre formierte sich in Dresden ein kleines, aber ehrgeiziges Künstlerkollektiv. Was mit einem gemeinsamen Interesse an experimentellem Druck begann, entwickelte sich bald zu einem einzigartigen Ort, der Kunst, Verlagswesen und Ausstellungen unter einem Dach vereinte. Die Dresdner Obergraben-Presse entstand aus dieser Zusammenarbeit – getragen von Künstlern, Druckern und einer restaurierten, über hundert Jahre alten Maschine.

Den Anstoß gab der Drucker Jochen Lorenz, der nach neuen Aufgaben jenseits seiner Routinearbeiten wie dem Druck von Fahrplänen suchte. Zur gleichen Zeit bezog der Künstler Eberhard Göschel 1978 ein größeres Atelier. Seine alte Dreizimmerwohnung stand fortan für kreative Experimente zur Verfügung und bot Raum für die Entfaltung neuer Ideen.

Göschel und sein Mitstreiter Peter Herrmann waren bereits seit 1976 in der Arbeitsgruppe des Leonhardi-Museums aktiv. Herrmann besaß eine italienische Druckerpresse aus dem Jahr 1908, die Bernhard Theilmann sorgfältig in Stand setzte. Diese Maschine wurde zum Mittelpunkt ihrer Pläne.

Das Kollektiv wuchs schnell und zog weitere Persönlichkeiten an, darunter A.R. Penck, der 1971 die Künstlergruppe Lücke mitgegründet hatte. In den 1970er Jahren verfeinerte Penck seine Theorie Vom Untergrund zum Obergrund, in der er untersuchte, wie Kunst aus verborgenen Räumen in die Öffentlichkeit gelangen konnte. Seine Ideen passten perfekt zur Vision der Gruppe.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Durch die Bündelung ihrer Fähigkeiten verwandelten die Künstler die Wohnung in die Dresdner Obergraben-Presse – eine Mischung aus Druckwerkstatt, Verlag, Galerie und Künstlervereinigung. Die restaurierte Presse ermöglichte es ihnen, originale Werke herzustellen, Ausstellungen zu veranstalten und in einer Stadt, in der unabhängige Kunstorte selten waren, frei zu experimentieren.

Die Dresdner Obergraben-Presse entwickelte sich zu einem seltenen Zentrum für avantgardistischen Druck und Ausstellungen in der DDR. Ihre Entstehung verdankte sie einer Kombination aus restaurierter Technik, ungenutztem Raum und dem gemeinsamen Willen von Künstlern und Handwerkern. Die Arbeit des Kollektivs hinterließ nachhaltige Spuren in der Dresdner Underground-Kunstszene des späten 20. Jahrhunderts.

Quelle