07 May 2026, 12:20

Wie die DDR Halberstadts jüdische Vergangenheit systematisch auslöschte

Plakat mit schwarzem Hintergrund, Text "Schafft das jüdische Heim jetzt - Palestine Restoration Fund", Bilder von Gebäuden, Hügeln und einem Sternsymbol.

Wie die DDR Halberstadts jüdische Vergangenheit systematisch auslöschte

Halberstadts jüdische Geschichte wurde in der DDR fast ausgelöscht – obwohl die Stadt einst eine blühende neo-orthodoxe Gemeinde beherbergte. Die Synagoge wurde 1938 zerstört, der Beginn eines gezielten Vergessens. Neue Forschungen zeigen nun, wie das Regime jüdische Erinnerung unterdrückte, während es sich gleichzeitig als antifaschistisch inszenierte.

Der Untergang der jüdischen Gemeinde Halberstadts begann am 9. November 1938, als die Synagoge während der Pogromnacht niedergebrannt wurde. Bis Kriegsende lag die Rathaustraße – das historische Herz der Stadt – in Trümmern, und die einst lebendige jüdische Bevölkerung war ausgelöscht. Nach 1945 gab sich die DDR zwar antifaschistisch, doch den Erhalt jüdischen Erbes vernachlässigte sie.

1949 entstand am Standort des ehemaligen Konzentrationslagers Langenstein-Zwieberge bei Halberstadt eine Gedenkstätte, die zunächst an die Opfer von Zwangsarbeit erinnern sollte. Doch ihre Bedeutung wandelte sich: 1969 wurde die Anlage zu einem Ort sozialistischer Gelöbnisfeiern umgestaltet – direkt über den Gräbern der Häftlinge. Die unterirdischen Stollensysteme des Lagers nutzte die Nationalen Volksarmee ab den 1970er-Jahren als militärisches Depot.

Zwar erschienen in der DDR Romane wie die von Peter Edel oder Jurek Becker, die jüdische Erfahrungen thematisierten, doch Zensur begrenzte ihre Verbreitung. Die niederländische Widerstandskämpferin und jüdische Sängerin Lin Jaldati zog 1952 nach Ost-Berlin, nahm drei Schallplatten auf – doch nach dem Sechstagekrieg 1967 verschwand ihre Musik aus den Staatsmedien. Philipp Grafs Buch „Verweigerte Erinnerung“ (Originaltitel: Rejected Legacy) offenbart, wie die antifaschistische Rhetorik der DDR mit der Auslöschung jüdischer Kultur kollidierte. Von der einst blühenden Gemeinde Halberstadts blieb kaum eine Spur.

Grafs Recherchen belegen: Trotz einiger jüdischer Artefakte gab es in der DDR keine nennenswerte jüdische Kulturpflege. Die Politik des Regimes sorgte dafür, dass Halberstadts jüdische Vergangenheit jahrzehntelang begraben blieb. Heute zeugen nur noch das Mahnmal und historische Dokumente von einer Gemeinschaft, die systematisch vernichtet und dann vergessen wurde.

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