07 May 2026, 14:14

Wenn Konfrontationstherapie im Theater zum absurden Albtraum wird

Plakat für das Théâtre de la Ville in Paris mit einem Skelett mit ausgestreckten Armen, umgeben von aufgeregten Menschen, mit der Aufschrift "Bargeon Illusionist und Anti-Spiritualist".

Wenn Konfrontationstherapie im Theater zum absurden Albtraum wird

Ein gewagtes Experiment mit Konfrontationstherapie nahm für einen Berliner Theaterbesucher eine unerwartete Wendung. Was als Plan begann, die Angst vor nackten Bühnenauftritten zu überwinden, entwickelte sich bald zu einer Reihe immer absurderer Herausforderungen. Am Ende stand sogar eine „Erholungssitzung“ mit Frühling für Hitler auf dem Programm – weit entfernt vom ursprünglichen Ziel.

Der Leidensweg begann mit einer harmlosen Frage von Freunden: Ob ich denn die neueste Produktion in einem anderen großen Berliner Theater gesehen hätte. Das eigentliche Problem jedoch war eine tief verwurzelte Abneigung gegen einen bestimmten Hauptdarsteller. Bekannt dafür, komplett nackt aufzutreten und dabei ständig aus der Rolle zu fallen, war er zu meinem persönlichen Albtraum geworden.

Ein Freund schlug Konfrontationstherapie vor – die Ängste sollten durch schrittweise Gewöhnung direkt angegangen werden. Der erste Schritt: Jeden Auftritt des berüchtigten Schauspielers besuchen. Es folgten Besuche auf sämtlichen FKK-Stränden an Nord- und Ostsee. Doch das Experiment nahm eine düstere Wendung, als die nächste Aufgabe verkündet wurde: eine Kreuzfahrt mit Pflichtprogramm – Heino trifft Rammstein. Das war der Punkt, an dem ich eine Auszeit einberief.

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Um abzuschalten, wandten wir uns Frühling für Hitler zu, eine Wahl, die die Stimmung aufhellen sollte. Im ursprünglichen Plan war sogar eine satirische Volte vorgesehen gewesen: ein fiktives „Sensibilisierungsprogramm“ gegen Rassismus und Zwangsassimilation, finanziert durch Klassiker der Filmgeschichte.

Vor dem Experiment hatte ich ein visuell beeindruckendes Stück über Apokalypse, Durchhaltevermögen und Gemeinschaft gesehen. Das Publikum reagierte mit tosendem Applaus – bis auf einen einzelnen Zuschauer, der buhte. Eine Erinnerung daran, dass Theater, wie die Angst selbst, ebenso spalten wie verbinden kann.

Der Versuch der Desensibilisierung blieb unvollendet, hinterließ aber seine Spuren. Die Erfahrung zeigte, wie weit Menschen gehen, um sich ihrer Unbehaglichkeit zu stellen – und wann man eingestehen muss, dass es genug ist. Die Furcht vor dem berüchtigten Schauspieler bleibt, wenn auch etwas gemildert durch den absurden Verlauf der ganzen Sache.

Quelle