Sachsen-Anhalt vernachlässigt Lohnkontrollen – Arbeitnehmer zahlen den Preis
Francesco SchenkSachsen-Anhalt vernachlässigt Lohnkontrollen – Arbeitnehmer zahlen den Preis
Lohnkontrollen in Sachsen-Anhalt stark rückläufig – Sorge um Arbeitnehmerrechte wächst
In Sachsen-Anhalt ist die Durchsetzung von Mindestlöhnen in den vergangenen drei Jahren drastisch zurückgegangen – ein alarmierendes Signal für den Arbeitsschutz. Kritiker führen den Rückgang auf massive Personalengpässe zurück, die Betriebe und Landwirtschaft weitgehend ohne Überprüfung lassen. Gleichzeitig verdient noch immer ein beträchtlicher Teil der Beschäftigten weniger als 15 Euro pro Stunde, obwohl gesetzliche Mindestlöhne gelten.
Die Zahl der Betriebsprüfungen durch die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) ist regelrecht eingebrochen: Wurden 2022 noch 1.598 Kontrollen durchgeführt, waren es 2025 nur noch 691. Bei diesem Tempo muss ein durchschnittlicher Betrieb in Sachsen-Anhalt statistisch nur alle 90 Jahre mit einer Zollprüfung rechnen. In der Landwirtschaft sieht es noch düsterer aus – hier wäre im Schnitt erst nach 234 Jahren mit einer Kontrolle zu rechnen.
Der Linken-Abgeordnete David Schliesing spricht von einer "Durchsetzungsblindheit" und macht den Personalmangel für den Rückgang verantwortlich. Er fordert dringend Verstärkung für den Zoll und spezialisierte Staatsanwälte, um Lohnverstöße konsequenter zu verfolgen.
Trotz eines gesetzlichen Mindestlohns von derzeit 13,90 Euro – der bis 2027 auf 14,60 Euro steigen soll – ist Niedriglohn weit verbreitet: 23,3 Prozent aller Beschäftigten in Sachsen-Anhalt verdienen weniger als 15 Euro pro Stunde. Besonders prekär ist die Situation in nicht tarifgebundenen Betrieben, wo 35 Prozent der Mitarbeiter unter dieser Grenze liegen.
Der Rückgang der Kontrollen fällt mit einem schrumpfenden Wirtschaftsstandort zusammen: Die Zahl der registrierten Unternehmen sank von 65.738 im Jahr 2022 auf 62.211 im Jahr 2025. Auch die Prüfaktivitäten des Zolls liegen mittlerweile bei nur noch 42,4 Prozent des Niveaus von vor drei Jahren.
Die schwindende Kontrolle und sinkende Strafverfolgung lassen viele Arbeitnehmer ungeschützt – mit der Gefahr, unterbezahlt zu werden. Angesichts weniger Betriebe und historisch niedriger Überwachung werden die Rufe nach schärferen Kontrollen lauter. Ohne Gegenmaßnahmen droht die Kluft zwischen Lohnvorschriften und ihrer Umsetzung weiter zu wachsen.






