Kulturminister Weimer fordert Transparenz – doch Kritik an Einflussnahme wächst
Francesco Schenk"Spiegel": Weimer lässt Listen von Kultur-Jurymitgliedern erstellen - Kulturminister Weimer fordert Transparenz – doch Kritik an Einflussnahme wächst
Kulturminister Weimer ordnet Offenlegung aller Jurymitglieder bei Förderentscheidungen an
Bundes kulturminister Wolfram Weimer hat die Erstellung von Listen angeordnet, in denen alle Jurymitglieder namentlich aufgeführt werden, die an Entscheidungen über kulturelle Fördergelder beteiligt sind. Der Schritt folgt auf seine jüngste Einmischung in den Deutschen Buchhandlungspreis, bei dem er drei zuvor von einer unabhängigen Jury nominierte Buchhandlungen nachträglich von der Shortlist strich. Die Entscheidung hat rechtliche Schritte ausgelöst und Sorgen über politische Einflussnahme auf Kulturpreise verstärkt.
Der Streit begann, als Weimer die Auswahl der Jury für den Deutschen Buchhandlungspreis überstimmte. Er schloss drei Buchhandlungen von der engere Auswahl aus und berief sich dabei auf Erkenntnisse der Verfassungsschutzbehörden, die den Schritt rechtfertigen sollten.Initially behauptete sein Ministerium, die Jury selbst habe die Buchhandlungen für unwürdig befunden – eine Aussage, die sich später als falsch herausstellte.
Die betroffenen Buchhandlungen haben inzwischen Klagen gegen den Minister eingereicht. Kritiker warnen, dass Weimers Forderung nach der Offenlegung der Jurymitglieder zu weiterer Einflussnahme auf Preisvergaben führen könnte. Bisher gibt es keine offiziellen Aufzeichnungen darüber, wie viele unabhängige Juroren üblicherweise an solchen Auswahlverfahren teilnehmen, und es bestand auch keine bisherige Pflicht, ihre Identitäten zu dokumentieren.
Weimers Vorgehen steht zunehmend in der Kritik, da Recherchen ergeben haben, dass es keine rechtliche Grundlage für seinen "Dokumentationsbefehl" gibt. Die mangelnde Transparenz im Entscheidungsprozess hat die Verunsicherung unter Kultureinrichtungen zusätzlich verstärkt.
Die anhängigen Klagen der ausgeschlossen Buchhandlungen werden die Grenzen ministerieller Befugnisse bei der Kulturförderung auf die Probe stellen. Weimers Drängen auf die Offenlegung der Jurymitglieder könnte einen Präzedenzfall für die künftige Vergabe von Preisen schaffen. Der aktuelle Konflikt zeigt jedenfalls die Spannungen zwischen staatlicher Aufsicht und der Unabhängigkeit kultureller Preisjuries auf.






