Kölner Stadtarchiv: 15 Jahre nach dem tragischen Einsturz beginnt der Neuanfang
Francesco SchenkKölner Stadtarchiv: 15 Jahre nach dem tragischen Einsturz beginnt der Neuanfang
Fünfzehn Jahre nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs während des U-Bahn-Baus bleibt die Stelle eine Narbe in der Stadt
Die Katastrophe von 2009 forderte zwei Menschenleben, zerstörte unersetzliche historische Dokumente und hinterließ bleibende Schäden an benachbarten Gebäuden. Nun, da die Arbeiten an der Nord-Süd-U-Bahnlinie wiederaufgenommen werden, soll die provisorische Betonfüllung endlich entfernt werden.
Der Einsturz ereignete sich in nur acht Minuten am 3. März 2009. Das gesamte Stadtarchiv, in dem 1,7 Millionen Dokumente mit 1.000 Jahren Kölner Geschichte lagerten, stürzte in die Tiefe. Zwei junge Männer, die in angrenzenden Häusern lebten, kamen ums Leben, als der Boden unter ihnen nachgab.
Nahegelegene Kirchen erlitten schwere strukturelle Schäden: Risse zogen sich durch die Mauern, ein Turm begann sich zu neigen. Jahre lang blieb die Stelle teilweise mit Schutt gefüllt, überwuchert von Unkraut – eine sichtbare Mahnung an die Tragödie.
2018 verurteilte ein Gericht den Bauleiter und den verantwortlichen Bauingenieur wegen fahrlässiger Tötung in zwei Fällen. Doch 2024 wurden die Verfahren wegen Verfahrensfehlern und Zweifeln an ihrer direkten Verantwortung eingestellt.
Seit der Katastrophe setzt sich die Aktivistengruppe ArchivKomplex für eine Mitsprache bei den Wiederaufbauplänen ein. Sie fordert zudem ein würdevolles Denkmal, um der Opfer und des verlorenen Kulturerbes zu gedenken. Mit der Wiederaufnahme der Bauarbeiten wird das Projekt voraussichtlich weitere acht Jahre in Anspruch nehmen.
Die Entfernung des provisorischen Betons markiert eine neue Phase im langen Prozess der Bewältigung. Die Fertigstellung der U-Bahn-Linie wird irgendwann ein schmerzhaftes Kapitel für die Stadt schließen. Doch die Folgen des Einsturzes – für die Angehörigen, die historischen Aufzeichnungen und das Stadtbild Kölns – werden noch lange spürbar bleiben.






