Fischfreundliche Wasserturbinen revolutionieren die Energiewende am Rhein
Hans-Jürgen ZirmeFischfreundliche Wasserturbinen revolutionieren die Energiewende am Rhein
Eine neue Art von Wasserturbine macht in Deutschlands Energiewende Furore
Unter dem Namen Energyfish sorgen kompakte Strömungskraftwerke am Rhein bei Sankt Goar für Aufsehen – als fischfreundliche Alternative zu herkömmlichen Staudämmen. Drei Anlagen sind bereits in Betrieb, Dutzende weitere sollen folgen und einen "Schwarm" bilden, der Hunderte Haushalte mit Strom versorgen kann.
Die Energyfish-Turbinen liegen in einem Seitenarm des Rheins, unweit des berühmten Loreley-Felsens. Anders als große Wasserkraftwerke versperren sie Fischen nicht den Weg und ermöglichen es Arten, ungehindert zu ihren Laichgründen zu gelangen. Eine Studie der Technischen Universität München bestätigte, dass die Anlagen keine schädlichen Auswirkungen auf das aquatische Ökosystem haben.
Jede Turbine erzeugt jährlich etwa 15 Megawattstunden Strom. Bei Niedrigwasser senken sie sich auf den Flussgrund ab, produzieren dann zwar weniger, bleiben aber weiterhin in Betrieb. Ihr robustes Design hält zudem Eis und Hochwasser stand – und garantiert so auch unter extremen Bedingungen eine zuverlässige Stromerzeugung.
Die Anlagen arbeiten geräuschlos und fügen sich unauffällig in das Flussbild ein, ohne die optische Beeinträchtigung klassischer Staudämme. Ein Schwarm von 100 Turbinen könnte jährlich 1,5 Gigawattstunden erzeugen – genug für 450 durchschnittliche deutsche Haushalte. Mit drei bereits aktiven und 21 weiteren geplanten Anlagen soll die Gesamtzahl schließlich auf 124 Turbinen anwachsen.
Rheinland-Pfalz, wo das Projekt angesiedelt ist, gilt als Vorreiter in Deutschlands erneuerbarer Energie: 64 Prozent des Stroms stammen hier aus grünen Quellen. Bundweit ist der Anteil der Wasserkraft leicht gesunken – von vier Prozent im Jahr 2024 auf drei Prozent 2025, bedingt durch geringere Niederschläge. Die Energyfish-Turbinen sollen diese Bilanz verbessern, ohne die Ökosysteme zu belasten.
Die ersten drei Anlagen sind bereits am Netz, die Expansion läuft. Da sie auch bei schwacher Sonne oder Wind Strom liefern, tragen sie zur Stabilität der erneuerbaren Energien bei. Bei Erfolg könnte der Turbinenschwarm zum Vorbild für umweltverträgliche Wasserkraft in ganz Deutschland werden.






