Dresdens verbotene Kunst: Wie eine Generation die DDR herausforderte
Diethelm WeißDresdens verbotene Kunst: Wie eine Generation die DDR herausforderte
Dresden war einst das kulturelle Zentrum der Kunstszene der DDR, Sitz der renommierten Hochschule für Bildende Künste. Jahrzehntelang vertrat die Institution den Sozialistischen Realismus als offizielle Stilrichtung. Doch ab den späten 1970er-Jahren begann eine neue Generation von Künstlern, den Status quo infrage zu stellen – was zu Konflikten mit den Staatsbehörden und für viele schließlich ins Exil führte.
An der Hochschule für Bildende Künste studierten mehrere Persönlichkeiten, die später die alternative Kunstbewegung der DDR prägten. Dazu zählten Eberhard Göschel, Hans Scheib, Reinhard Stangl, Volker Henze, Helge Leiberg, Christine Schlegel, Cornelia Schleime und Ralf Kerbach. Anfangs orientierten sie sich an den expressionistischen Traditionen der Künstlergruppe Brücke – einem Stil, den die Kulturpolitik der DDR längst verworfen hatte.
Diese Künstler lehnten sich nicht offen gegen die künstlerische Freiheit auf oder experimentierten mit verbotenen Medien. Vielmehr gerieten sie durch ihre unabhängige Herangehensweise an Ausstellungen und Publikationen in Konflikt mit dem Staat. Göschel gründete mit die Obergrabenpresse, eine Dresdner Initiative, die offizielle Kanäle umging. Scheib hingegen eröffnete private Galerien in Berlin-Prenzlauer Berg, zunächst 1977 in der Raumerstraße 23 und später 1980 in der Sredzkistraße 64.
Ihre Aktivitäten zogen zunehmend die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich. 1982 organisierten Göschel und Leiberg provokative Gruppenausstellungen im Dresdner Leonhardi-Museum. Die Schauen lösten einen Skandal aus und führten zur vorübergehenden Schließung des Museums. Die Reaktionen des Staates verschärften sich: Aufführungsverbote, der Ausschluss von Aufträgen und Überwachung durch die Stasi im Rahmen sogenannter "zersetzender Maßnahmen". Angesichts der Repression verließen die meisten dieser Künstler schließlich die DDR in Richtung Westdeutschland.
Trotz systematischer Einschränkungen entstand in Dresden und Berlin eine alternative Kunstszene. Viele ihrer wichtigsten Vertreter hatten an derselben Institution studiert, die einst den Sozialistischen Realismus durchsetzte. Ihr Widerstand veränderte die Kulturlandschaft der DDR – wenn auch oft aus der Ferne, nachdem der Staatsdruck sie ins Exil getrieben hatte.






