29 April 2026, 04:39

Deutsches Theater feiert Rückkehr der epischen Marathon-Aufführungen nach der Pandemie

Offenes Buch mit dem Titel "The Theatre: A Monthly Review of the Drama, Music, and the Fine Arts" mit sichtbarem Text und einem Logo auf der Seite.

Deutsches Theater feiert Rückkehr der epischen Marathon-Aufführungen nach der Pandemie

Deutsches Theater und die Rückkehr der Marathon-Aufführungen

Das deutsche Theater ist seit langem für seine ausufernden Inszenierungen bekannt, die weit über die übliche Spieldauer hinausgehen. Von siebenstündigen Epen bis zu zwölfstündigen Sagas – das Publikum zeigt sich bereit, sich auf diese opulenten Produktionen einzulassen. Nach einer Phase kürzerer Stücke während der Pandemie besinnen sich die Theater nun wieder auf ihre Vorliebe für ultra-lange Veranstaltungen.

Der Trend zu ausgedehnten Aufführungen setzte sich in den 1970er- und 1980er-Jahren mit dem Aufstieg des Regietheaters durch. Pioniere wie Peter Stein und Frank Castorf sprengten Grenzen und schufen immersive Erlebnisse, die Zeit und Aufmerksamkeit forderten. Eines der frühesten Beispiele war Robert Wilsons Einstein on the Beach, das 1976 Premiere feierte und vier bis fünf Stunden dauerte.

Bis in die späten 1990er-Jahre wurde der Trend noch radikaler. Luk Percevals Schlachten beim Salzburger Festspiele 1999 dauerte volle zwölf Stunden. Kürzlich brachte das Schauspielhaus Bochum 2023 Die Brüder Karamasow in einer siebenstündigen Fassung auf die Bühne. Nora Hertlein-Hull, Leiterin des Berliner Theatertreffens, erlebte 2007 beim Wiener Festwochen erstmals eine solche Produktion: Der große Gatsby wurde dort als siebenstündige Lesung des gesamten Romans aufgeführt.

Die Pandemie veränderte die Theaterlandschaft vorübergehend. Aufgrund der Einschränkungen boten die Häuser kürzere Stücke ohne Pausen an. Doch das Interesse an langen Inszenierungen verschwand nie ganz. Die Karten für Wallenstein: Ein Fest des Krieges in sieben Gängen – ein siebenstündiges Epos beim diesjährigen Theatertreffen – waren schnell ausverkauft. Ein Beweis dafür, dass das Publikum nach wie vor immersive, zeitintensive Erlebnisse sucht.

Nun erlebt der Trend ein Comeback. Die Berliner Volksbühne bringt bald Peer Gynt zurück auf die Bühne, dessen erster Teil allein acht Stunden dauerte. Der Deutsche Bühnenverein erfasst zwar keine offiziellen Statistiken zu Spieldauern, doch der Trend ist deutlich: Das Langformat findet wieder seinen Platz auf den deutschen Bühnen.

Die Rückkehr der Marathon-Aufführungen markiert eine Rückkehr zur theatralischen Ambition der Zeit vor der Pandemie. Das Publikum bleibt an langen, immersiven Werken interessiert, während die Theater große Inszenierungen wiederbeleben und neu entwickeln. Die Tradition des epischen Erzählens im deutschen Theater ist lebendig – und zeigt keine Anzeichen von Erschöpfung.

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