BP kämpft mit Umstrukturierung, Ölpreisen und Arbeitskonflikten gleichzeitig
Hans-Jürgen ZirmeBP kämpft mit Umstrukturierung, Ölpreisen und Arbeitskonflikten gleichzeitig
BP treibt trotz steigender Ölpreise und eskalierender Vertragsstreitigkeiten eine umfassende Umstrukturierung voran. Nach dem Scheitern von Verhandlungen wurden rund 800 Gewerkschaftsmitglieder in der Raffinerie Whiting im Bundesstaat Indiana ausgeschlossen. Gleichzeitig ist der Börsenwert des Konzerns stark gesunken, während Analysten die beschleunigten Sparmaßnahmen des Unternehmens genau beobachten.
Die jüngsten Schritte BP's fallen in eine Phase rasant steigender Ölpreise: Die Nordsee-Sorte Brent erreichte aufgrund von Blockaden in der Straße von Hormus 112 Dollar pro Barrel. Um die Lieferketten zu entlasten, erteilte die US-Regierung eine 60-tägige Ausnahmegenehmigung vom Jones Act. BP strafft zudem seine Finanzstrategie und erhöhte das Sparziel auf 6,5 bis 7,5 Milliarden Dollar bis 2027, um die Liquidität zu sichern und die Bilanz zu stärken.
Seit Mitte 2024 hat sich die Marktkapitalisierung von BP um etwa 15 Prozent verringert – von 95 Milliarden auf 81 Milliarden Dollar (Stand März 2026). Rückläufige Ölpreise zu Jahresbeginn, ein Überangebot, Konkurrenz durch Erneuerbare-Energien-Unternehmen sowie strengere EU-Vorschriften für fossile Brennstoffe trugen dazu bei. Zudem stellen Investoren die Geschwindigkeit von BP's Wandel hin zu grüner Energie infrage.
Der Konzern stößt nun Vermögenswerte ab, darunter die Raffinerie in Gelsenkirchen, die jährlich 12 Millionen Tonnen verarbeitet. Die Klesch Group übernimmt den Standort samt 1.800 Mitarbeitenden. Analysten schätzen, dass der Verkauf bis zu 1,7 Milliarden Dollar an Verbindlichkeiten aus BP's Bilanz nehmen könnte. Bisher wurden von den geplanten 20 Milliarden Dollar Desinvestitionen bis 2027 bereits über 11 Milliarden umgesetzt.
Die Bank HSBC stuft BP-Aktien kürzlich von "Reduzieren" auf "Halten" hoch und erhöhte das Kursziel – der Raffinerieverkauf gelte als positiver Schritt. Trotz der Umstrukturierung bleiben Herausforderungen bestehen, während das Unternehmen mit Marktvolatilität und Arbeitskonflikten ringt.
Ziel der BP-Umstrukturierung ist es, Kosten zu senken, Schulden abzubauen und sich an die sich wandelnden Energiemärkte anzupassen. Der Verkauf der deutschen Raffinerie und weiterer Assets soll helfen, das Desinvestitionsziel von 20 Milliarden Dollar bis 2027 zu erreichen. Doch anhaltende Arbeitskämpfe und Marktdruck prägen weiterhin den Weg des Konzerns.






