Berlin erzwingt Ausbildungsplätze – oder Unternehmen zahlen ab 2028 drauf
Hans-Jürgen ZirmeBerlin erzwingt Ausbildungsplätze – oder Unternehmen zahlen ab 2028 drauf
Berlin führt umstrittene Ausbildungsabgabe ein: Unternehmen müssen ab 2028 nachziehen oder zahlen
Berlin hat eine kontroverse neue Regelung beschlossen, mit der Unternehmen stärker in die Pflicht genommen werden sollen, mehr Ausbildungsplätze anzubieten. Ab 2028 müssen Betriebe mit mindestens zehn Beschäftigten eine Ausbildungsquote von 4,6 Prozent erfüllen – oder in einen zentralen Fonds einzahlen. Die Maßnahme stößt bei Gründern auf Kritik, die bemängeln, dass sie die tieferliegenden Probleme auf dem Berliner Arbeitsmarkt nicht löst.
Das vom Abgeordnetenhaus Berlins beschlossene Gesetz sieht vor, dass Unternehmen, die zu wenige Azubis ausbilden, bestraft werden. Wer die 4,6-Prozent-Marke verfehlt, muss in einen Topf einzahlen, aus dem jährlich voraussichtlich rund 75 Millionen Euro generiert werden sollen. Bereits 2023 gerieten Firmen mit zehn oder mehr Mitarbeitenden unter Druck, wenn ihre Ausbildungsquote unter 3,1 Prozent lag – der Berliner Durchschnitt, der deutlich unter der bundesweiten Quote von 4,6 Prozent liegt. Trotzdem kamen im vergangenen Jahr nur 1.300 neue Ausbildungsverträge hinzu, was die schwache Entwicklung bei dualen Berufsausbildungen unterstreicht.
Viele Startup-Gründer äußern sich ablehnend zur Abgabe. Ralph Hage von Lap Coffee nennt sie ein "falsches Signal" an die Wirtschaft und erklärt, sein Unternehmen setze auf Automatisierung und modernes Lernen statt auf klassische Ausbildung. Marius Meiners von Peec AI gibt zu, dass sein Team schlicht keine Kapazitäten habe, um Auszubildende zu betreuen – lieber würde er die Strafe zahlen. Moritz Kreppel, Gründer von Urban Sports Club, argumentiert, die Regelung bestrafe Startups unfair für Stellen, die sich nicht für Ausbildungsmodelle eignen.
Agnieszka Walorska vom Fintech Mika verweist auf ein grundlegendes Problem: Junge Menschen in Berlin hätten schlicht kein Interesse an traditionellen Berufsausbildungen. Die Abgabe ändere wenig an dieser Nachfrageschwäche und belaste stattdessen die Arbeitgeber.
Ab 2028 tritt die Ausbildungsabgabe in Kraft und zwingt Unternehmen, entweder mehr auszubilden oder in einen gemeinsamen Fond einzuzahlen. Kritiker werfen der Regelung vor, strukturelle Herausforderungen zu ignorieren – von der geringen Jugendbeteiligung bis hin zu fehlenden Passgenauigkeiten zwischen Betrieben und Ausbildungsangeboten. Angesichts nur moderater Zuwächse bei den Ausbildungsplätzen im vergangenen Jahr bleibt die Wirkung der Maßnahme ungewiss.






