27 April 2026, 12:18

111 Jahre nach dem Völkermord: Warum Schulen das armenische Leid oft verschweigen

Gemälde, das eine Gruppe von Menschen zeigt, die einen Mann auf dem Boden mit Waffen umgeben, in einem Raum mit gewölbten Fenstern, betitelt "Der Massaker der Osmanischen Reiches."

111 Jahre nach dem Völkermord: Warum Schulen das armenische Leid oft verschweigen

In diesem Jahr jährt sich der Völkermord am armenischen Volk zum 111. Mal. Zwischen 1915 und 1923 wurden im Osmanischen Reich etwa 1,5 Millionen Armenier systematisch ermordet. Trotz der eigenen Rolle Deutschlands bei diesen Gräueltaten bleibt die Behandlung des Themas im Schulunterricht lückenhaft.

2016 verabschiedete der Deutsche Bundestag eine Resolution, die forderte, den Völkermord an den Armeniern fest in den Lehrplänen zu verankern. Doch in vielen Klassenzimmern wird das Thema weiterhin ausgeklammert. Lehrer nennen überfüllte Lehrpläne, straffe Zeitvorgaben sowie fehlende geeignete Materialien oder Fachkenntnisse als Hauptgründe.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Um diese Lücke zu schließen, gibt es neue literarische Ansätze. Im März veröffentlichte der Reclam Verlag Laura Cwiertnias Roman "Auf der Straße haben wir andere Namen" als Schullektüre. Das Buch verbindet die Themen Völkermord, Überleben und Diskriminierung und beleuchtet zugleich das Leben türkischer Gastarbeiter in Deutschland der 1960er-Jahre. Die Literaturwissenschaftlerin Swantje Ehlers steuerte ein Begleitkommentar bei, der Schülern helfen soll, die historischen und emotionalen Dimensionen des Textes zu erschließen.

Befürworter argumentieren, dass Literatur das Thema zugänglicher machen kann. Indem persönliche Schicksale mit historischen Ereignissen verknüpft werden, könnten Schüler ein tieferes, reflektierteres Verständnis für den Völkermord und seine bis heute nachwirkenden Folgen entwickeln.

Die Umsetzung der Resolution von 2016 bleibt in vielen Schulen jedoch unvollendet, sodass weiterhin Wissenslücken darüber bestehen, wie junge Deutsche über den Völkermord an den Armeniern lernen. Mit neuen Lehrmaterialien wie Cwiertnias Roman haben Pädagogen nun mehr Möglichkeiten, das Thema in den Unterricht zu integrieren. Ob dies zu einer flächendeckenden Verankerung in den Lehrplänen führt, hängt von weiterer Unterstützung und Fortbildungen für Lehrkräfte ab.

Quelle