Zwei Minijobs gleichzeitig: Wenn ein Job nicht mehr zum Leben reicht
Francesco SchenkZwei Minijobs gleichzeitig: Wenn ein Job nicht mehr zum Leben reicht
Zwei Minijobs gleichzeitig – für viele in der deutschen Mittelschicht längst Alltag
Die Lebenshaltungskosten steigen unaufhörlich, während Löhne und Arbeitsplatzsicherheit nicht mithalten können. Eine Autorin hat ein ganzes Jahr lang zwei redaktionelle Teilzeitstellen – und manchmal noch freiberufliche Aufträge – gleichzeitig bewältigt, nur um über die Runden zu kommen.
Seit zwölf Monaten arbeitet sie mit zwei befristeten Redaktionsverträgen, oft ergänzt durch freiberufliche Projekte. Ihre wöchentliche Arbeitszeit liegt zwischen 50 und 60 Stunden, mit kaum Zeit für Erholung. Schlafmangel ist zur Dauerbelastung geworden, doch die Arbeitslast lässt sich nicht reduzieren.
Noch vor einigen Jahren reichte ein einziger Teilzeitjob, um die Miete zu zahlen – heute nicht mehr. In den letzten zehn Jahren haben sich die Mieten in Deutschland fast verdoppelt, in Berlin stiegen sie um 69 Prozent. Eine Vollzeitstelle würde zwar noch mehr Stunden bedeuten, doch selbst dann bliebe kaum genug übrig, um die grundlegenden Lebenshaltungskosten zu decken. Viele Festanstellungen zahlen so wenig, dass sie kaum das Überleben sichern, geschweige denn Altersvorsorge ermöglichen.
Dieses Schicksal teilen viele. Eine Umfrage des Portals Academized aus dem Jahr 2025 ergab, dass jede zweite Person zwischen 26 und 41 Jahren mindestens einen Nebenjob ausübt. Polyworking – das gleichzeitige Ausüben mehrerer Tätigkeiten – hat sich rasant verbreitet, besonders in Großstädten. Seit 2020 sind die Stellenausschreibungen für Teilzeitjobs um fast 69 Prozent gestiegen, ein Zeichen dafür, wie Menschen sich ihr Einkommen heute zusammenrechnen müssen.
Die Autorin schätzt ihre Arbeit, weigert sich aber, die ständige Überlastung zu verklären. Die wirtschaftliche Unsicherheit wächst: Entlassungen häufen sich, während Verträge weiterhin nur befristet vergeben werden. Was einst eine Übergangslösung war, ist für viele zur Überlebensstrategie in einem prekären Arbeitsmarkt geworden.
Die Realität ist unmissverständlich: Ein Job reicht nicht mehr. Angesichts explodierender Mieten und stagnierender Löhne ist Polyworking längst keine Ausnahme mehr, sondern zur Norm geworden. Für viele bleibt vorerst nur eine Gewissheit: Wer nicht mehrere Tätigkeiten gleichzeitig stemmt, droht unterzugehen.






