Wie Tante-Enso-Läden ländliche Regionen mit Selbstbedienung und Gemeinschaft retten
Hans-Jürgen ZirmeWie Tante-Enso-Läden ländliche Regionen mit Selbstbedienung und Gemeinschaft retten
Eine neue Art von Supermarkt schließt in ländlichen Regionen Deutschlands die Lücken, die große Handelskette nicht bedienen. Die Tante-Enso-Läden von Enso bieten rund um die Uhr Einkaufen per Selbstbedienungskasse – eine Mischung aus traditioneller Nahversorgung und modernem Einzelhandel. Das Modell setzt auf Gemeinschaft: Damit ein Laden in einer Region eröffnet wird, müssen sich Anwohner in einer Genossenschaft zusammenschließen.
Die Idee entstand in Lemgow, nachdem Edeka 2023 seine Filiale dort geschlossen hatte. Ohne einen Supermarkt im Umkreis von fünf Kilometern mussten die Bewohner weite Wege für ihre Einkäufe in Kauf nehmen. Noch im selben Jahr eröffnete ein Tante-Enso-Laden, der regionale und Bio-Produkte wie Eier und Kartoffeln aus der Umgebung anbietet. Der Laden entwickelte sich zudem zu einem sozialen Treffpunkt und veranstaltet etwa gemeinsame Grillabende für die Gemeinde.
Enso richtet sich mit seinem Konzept gezielt an Kleinstädte, die von großen Händlern wie Rewe, Aldi oder Edeka oft übergangen werden. Mittlerweile gibt es fast 90 Tante-Enso-Läden in ganz Deutschland, wobei jeweils ein festgelegter Anteil der örtlichen Bevölkerung der Genossenschaft beitreten muss. Die Mitglieder erhalten Rabatte und helfen dabei, den Laden am Laufen zu halten.
Das Unternehmen expandiert nun weiter. Geplant ist die Übernahme von bis zu 36 ehemaligen Tegut-Standorten, die meisten davon in ländlichen Gebieten. Die Läden verbinden Selbstbedienungskomfort mit einem Fokus auf regionale Produkte und sollen die Versorgung dort wiederherstellen, wo sich große Ketten zurückgezogen haben.
Das Tante-Enso-Modell lebt vom Engagement der Gemeinschaft. Mit 24-Stunden-Service und lokalen Produkten bietet es eine Alternative in unterversorgten Regionen. Die Expansion in ehemalige Tegut-Filialen deutet darauf hin, dass bald weitere Dörfer und Kleinstädte ihre Nachbarschaftsläden zurückbekommen könnten.






