Warum junge Männer zwischen AfD und Feminismus schwanken – und wer sie überzeugt
Hans-Jürgen ZirmeWarum junge Männer zwischen AfD und Feminismus schwanken – und wer sie überzeugt
Vor den Europawahlen 2024 hat sich die Debatte darüber, wie junge Männer für die Politik gewonnen werden können, weiter zugespitzt. Während der AfD-Politiker Maximilian Krah jüngst behauptete, alleinstehende Männer sollten „nach rechts rücken“, um ihre Chancen auf dem Dating-Markt zu verbessern, setzt der Grünen-Co-Vorsitzende Felix Banaszak auf einen ganz anderen Ansatz: Er wirbt mit Feminismus für die Überwindung starrer Geschlechterrollen.
Noch vor 20 Jahren war das Thema Männlichkeit weniger polarisiert. Damals trug der Torhüter Tim Wiese ohne größere Kritik pinkfarbene Kleidung bei Spielen. Heute hat sich die Diskussion verändert – politische Akteure streiten darüber, wie junge Männer am besten angesprochen werden können.
Bereits 2010 veröffentlichten 21 grüne Politiker ein Manifest mit dem Titel „Männer, gebt Macht ab! Es lohnt sich.“ Die Botschaft zielte darauf ab, Männer für Gleichberechtigung zu gewinnen. Doch aktuelle Versuche, diese Debatte neu zu beleben, stoßen auf Widerstand. Als Banaszak im April eine Diskussion über eine „Männerpolitik“ vorschlug, reagierte der Bundesfrauenrat der Grünen skeptisch.
Banaszak, der offen zu seiner Vorliebe für die Farbe Pink steht und sogar sein Büro in diesem Ton gestrichen hat, argumentiert, dass traditionelle Geschlechterrollen sowohl Männer als auch Frauen schaden. Sein erster großer Vorstoß, junge Männer zu erreichen, erfolgte im Februar in einem Playboy-Interview, in dem er Feminismus als Gewinn für alle darstellte. Später räumte er jedoch ein, sein Ton sei zu konfrontativ gewesen. Als die Schauspielerin Collien Fernandes den Schauspieler Christian Ulmen der Belästigung beschuldigte, äußerte sich Banaszak auf Social Media: Er bezeichnete die Vorwürfe als beschämend und kritisierte die Kultur, die solches Verhalten ermöglicht.
Die Herausforderung ist deutlich: Bei der letzten Bundestagswahl wählten Männer unter 24 Jahren häufiger die AfD als Frauen derselben Altersgruppe. Krahs jüngstes Video, in dem er nahelegt, politische Positionierung könne Dating-Probleme lösen, spiegelt die Strategie der Partei wider, enttäuschte junge Männer anzusprechen.
Während die Grünen weiterhin eine feministische Botschaft vermitteln, die Männer einbezieht, wirbt die AfD mit anderen Versprechen um junge männliche Wähler. Banaszak setzt nun auf eine Balance zwischen Entschlossenheit und Offenheit – in der Erkenntnis, dass Überzeugung mehr erfordert als Konfrontation. Wie diese gegensätzlichen Ansätze wirken, könnte in den kommenden Jahren maßgeblich prägen, wie sich junge Männer politisch engagieren.






