24 March 2026, 14:13

Verbotenes Meisterwerk: Warum Russlands Regierung Nurejews Ballett zum Schweigen brachte

Vier junge Balletttänzerinnen in weißen Kleidern tanzen auf einer Bühne mit einer gemalten Kulisse aus Bäumen und Himmel in Schwarz-Weiß.

Verbotenes Meisterwerk: Warum Russlands Regierung Nurejews Ballett zum Schweigen brachte

Ein mutiges Ballett über Rudolf Nurejew feierte 2017 am Moskauer Bolschoi-Theater Premiere. Unter der Regie von Kirill Serebrennikow und mit der Choreografie von Juri Possochow zeichnete die Produktion das turbulente Leben des Tänzers nach. Sechs Jahre später verbot die russische Regierung das Stück mit der Begründung, es verbreite "Propaganda nicht-traditioneller sexueller Beziehungen".

Die Geschichte von Nurejew begann jedoch lange vor der Uraufführung am Bolschoi. 1995 wurde der Nachlass des Tänzers versteigert – darunter männliche Akte alter Meister, Thonet-Stühle und Sofas von Maria Callas. Im selben Jahr erlebte eine andere Fassung des Balletts am Berliner Staatsballett ihre Premiere.

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Die Bolschoi-Produktion von 2017 erzählte von Nurejews Weg – von seiner Ausbildung bei Alexander Puschkin bis zu seiner Flucht nach Frankreich. Das Bühnenbild spiegelte sein Leben wider: prunkvolle, goldbestickte Kostüme, elegante Möbel und sogar ein Modell seiner italienischen Insel. Doch der zweite Akt, trotz Glitzer und Anspielungen auf seine berühmten Rollen, erreichte nie ganz die emotionale Wucht des ersten.

Serebrennikow verpasste die russische Premiere wegen juristischer Probleme. 2020 wurde er wegen Untreue verurteilt und floh später nach Berlin. Possochow, in der ukrainischen Stadt Luhansk geboren, aber heute US-Bürger, arbeitete trotz des Krieges in der Ukraine weiterhin mit dem Bolschoi zusammen. Die letzte Szene des Balletts zeigte Nurejew, gebrechlich und mit einem weißen Turban, der die letzten Takte seines Lebens dirigiert, bevor die Bühne in Dunkelheit versank.

2023 verbot die russische Regierung die Produktion. Details darüber, wie sich dieser Beschluss auf künftige Projekte von Possochow oder Serebrennikow im Land auswirkt, sind nicht bekannt.

Das Schicksal des Balletts spiegelt den Wandel der russischen Kulturlandschaft wider. Nurejew, einst am Bolschoi gefeiert, ist heute ein durch Gesetz zum Schweigen gebrachtes Werk. Seine Schöpfer, über die Kontinente verstreut, setzen ihre Karrieren unter völlig anderen Vorzeichen fort.

Quelle