RAW-Gelände in Berlin: Kultstätten kämpfen um ihr Überleben gegen Investorenpläne
Diethelm WeißRAW-Gelände in Berlin: Kultstätten kämpfen um ihr Überleben gegen Investorenpläne
Ungewisse Zukunft für Berlins Kultort RAW-Gelände: Eigentümer drängt auf Umstrukturierung, Clubs droht das Aus
Das legendäre RAW-Gelände in Berlin steht vor einer ungewissen Zukunft, nachdem die familiengeführte Eigentümerfirma Kurth ihre Pläne für eine umfassende Neuentwicklung vorantreibt. Mehrere langjährige Clubs und Kulturstätten sehen sich nun mit Schließungen konfrontiert, nachdem ihre Mietverträge gekündigt und Betriebserlaubnisse entzogen wurden. Unterdessen formiert sich Widerstand: Aktivist:innen und politische Gruppen mobilisieren für den Erhalt des Geländes – für dieses Wochenende ist eine Protest-Rave geplant.
Seit 2015 gehört das RAW-Gelände der Kurth-Gruppe, die die bisherigen Kulturflächen durch Wohnungen ersetzen will. Trotz eines bestehenden Neubauverbots für Wohnraum in der Gegend verweigert das Unternehmen die Verlängerung kurzfristiger Mietverträge für Einrichtungen wie Crack Bellmer, Bar zum Schmutzigen Hobby, Lokschuppen und Cassiopeia. Die Betreiber:innen warnen, dass ihre Existenz ohne klare Perspektive akut gefährdet ist.
Ein Entwurf für einen Kompromiss sieht vor, dass Kurth das Gelände bebauen darf – allerdings nur unter der Bedingung, dass langfristige, geförderte Nutzungsmöglichkeiten für Kulturstätten garantiert und deren Bedürfnisse priorisiert werden. Doch es gibt Streit darüber, wie zügig dieser Entwurf in einen verbindlichen Plan umgesetzt werden soll. Der Geschäftsführer von Kurth kritisiert Verzögerungen und fordert schnellere Prüfungen der Brandschutz- und Lärmschutzauflagen für das geplante Projekt.
Die Clubbetreiber:innen sowie der Bezirksstadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Florian Schmidt (Bündnis 90/Die Grünen), lehnen die Ultimaten von Kurth ab. Die Pattsituation hat dazu geführt, dass viele Einrichtungen ohne gültige Genehmigungen weiterbetrieben werden müssen – und damit illegal agieren. Als Reaktion organisieren Aktivist:innen, unterstützt von SPD, Grünen und Linken, für Samstag eine Demonstrations-Rave, um auf die kulturelle Bedeutung des Ortes aufmerksam zu machen.
Im Kern des Konflikts um das RAW-Gelände stehen gegensätzliche Visionen für seine Zukunft. Ohne verlängerte Mietverträge oder rechtliche Betriebserlaubnisse kämpfen die Clubs ums Überleben. Ob der Ort sein kulturelles Erbe bewahren oder einer Neuentwicklung weichen wird, hängt nun von den Ergebnissen der Samstagsproteste und der laufenden Verhandlungen ab.






