Neuwieder Grundschüler fordern im Rathaus mehr Mitsprache und Sicherheit
Hans-Jürgen ZirmeNeuwieder Grundschüler fordern im Rathaus mehr Mitsprache und Sicherheit
Neuwieder Grundschüler bringen ihre Fragen direkt ins Rathaus
Schülerinnen und Schüler der Kunosteiner Grundschule in Neuwied haben kürzlich ihre Anliegen persönlich im Rathaus vorgebracht. Eine Klasse besuchte Bürgermeister Peter Jung im Rahmen der Initiative "Frag den Bürgermeister" – erstmals kamen die Kinder dabei in die Verwaltungsräume, statt dass der Bürgermeister wie sonst in die Schule kam.
Der Besuch fiel zusammen mit Neuwieds laufenden Bemühungen, junge Einwohner stärker in kommunale Entscheidungen einzubinden. Die Stadt gehört zu den deutschen Gemeinden, die sich um die UNICEF-Auszeichnung "Kindfreundliche Kommune" bewerben. Eine offizielle Statistik, wie viele Städte bereits zertifiziert sind, gibt es derzeit jedoch nicht.
Während des Besuchs traf die Klasse 4b auf Oberbürgermeister Jan Einig und besichtigte die Räumlichkeiten der Bauverwaltung. Bei Getränken und Berliner im Raiffeisensaal brachten die Kinder anschließend ihre Sorgen aus dem Stadtteil vor. Thematisiert wurden etwa der schlechte Zustand der örtlichen Fußballplätze und die Frage, warum Sportanlagen manchmal abgeschlossen sind.
Die Schüler wiesen auch auf giftige Herkulesstauden hin, die entlang von Gehwegen wuchern. Bürgermeister Jung versprach, die Pflanzen auf städtischem Grund entfernen zu lassen, sobald sie gemeldet werden. Im weiteren Gespräch ging es um übergeordnete Themen wie die Planung von Spielplätzen und das Fehlen informeller Sportflächen. Der Jugendrat kündigte an, sich für Ballspiele außerhalb von Vereinsmitgliedschaften oder organisiertem Training einzusetzen.
Neben praktischen Anliegen äußerten die Kinder den Wunsch, im großen Saal des Schloss-Theaters eigene Aufführungen zeigen zu dürfen. Ihre Fragen reichten von Sicherheitsrisiken bis hin zum Zugang zu Kultur – ein Zeichen für ihr breites Interesse an kommunalen Angeboten.
Neuwieds Vorgehen orientiert sich an einem bundesweiten Programm von UNICEF Deutschland und dem Deutschen Kinderhilfswerk. Städte wie Murnau haben die Zertifizierung bereits erhalten, indem sie gemeinsam mit jungen Einwohnern Aktionspläne für Kinderrechte erarbeitet haben. Die Neuwieder Veranstaltung deutet auf ähnliche Schritte hin, um Kinder stärker an der Gestaltung ihrer Gemeinde zu beteiligen.
Der Besuch ermöglichte den Schülerinnen und Schülern einen direkten Austausch mit den Kommunalpolitiker:innen und erprobte zugleich ein neues Format der Bürgerbeteiligung. Ihre Anliegen – von Pflanzengiften bis zum Sportstättenzugang – fließen nun in die Arbeit des Jugendrats ein. Neuwieds Engagement im UNICEF-Programm zeigt einen wachsenden Trend: Immer mehr Städte beziehen Kinderformal in ihre Planungsprozesse ein.






