Merz will Kohlekraftwerke länger laufen lassen – Grünen protestieren scharf
Francesco SchenkMerz will Kohlekraftwerke länger laufen lassen – Grünen protestieren scharf
Bundeskanzler Friedrich Merz hat vorgeschlagen, die Laufzeit von Kohlekraftwerken in Deutschland über die geplanten Abschalttermine hinaus zu verlängern. Seine Äußerungen erfolgen vor dem Hintergrund möglicher Energieengpässe und der Debatte über das Tempo des Umstiegs auf erneuerbare Energien. Der Vorstoß stößt bereits auf Widerstand der Grünen, die auf die Einhaltung des bestehenden Ausstiegsfahrplans pochen.
Die Energiewende in Deutschland schreitet seit Jahren voran, wobei Brandenburg einen deutlichen Wandel hin zu erneuerbaren Energien vollzieht. Seit 2020 ist der Anteil von Ökostrom im Landesnetz von unter 50 Prozent auf voraussichtlich 54,9 Prozent im Jahr 2025 gestiegen. Windkraft deckt mittlerweile 33,8 Prozent des Strommix ab, während die Solarstromerzeugung um 15,1 Prozent auf 6.019 Gigawattstunden (GWh) anstieg – begünstigt durch eine zusätzliche Photovoltaik-Leistung von 1.050 bis 1.100 Megawatt (MW). Der Beitrag der Braunkohle hingegen ist stark zurückgegangen: 2025 wird er voraussichtlich um 8,9 Prozent auf 15.859 GWh sinken, nach einem Anteil von 54,4 Prozent im Jahr 2021.
Die Lausitz, traditionell ein Zentrum des Braunkohleabbaus, steht mitten in diesem Umbruch. Gemäß der EnergieStrategie 2040 aus dem Jahr 2022 strebt Brandenburg bis 2040 eine Windkraftkapazität von 15 Gigawatt (GW) und eine Solarkapazität von 33 GW an. Der regionale Energiekonzern LEAG soll im Rahmen des Kohleausstiegs rund 1,75 Milliarden Euro als Ausgleich erhalten.
Merz' jüngste Aussagen deuten jedoch auf eine mögliche Verzögerung hin. Er argumentierte, bestehende Kohlekraftwerke müssten unter Umständen länger in Betrieb bleiben, um Versorgungslücken zu vermeiden. Gleichzeitig forderte er einen beschleunigten Bau von Gaskraftwerken als Brückentechnologie. Die Grünen reagierten prompt und riefen Brandenburgs Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD) auf, jede Verzögerung abzulehnen und die laufenden Investitionen in den Strukturwandel der Region zu schützen.
Die Diskussion um den deutschen Kohleausstieg kreist nun um die Frage, wie sich Versorgungssicherheit und Klimaziele in Einklang bringen lassen. Während Merz' Vorschlag die Laufzeit von Kohlekraftwerken verlängern könnte, treibt Brandenburg den Ausbau der erneuerbaren Energien weiter voran. Das Ergebnis wird sowohl die Energieversorgung der Region als auch die Zukunft der Bergbauarbeiter prägen.






