Machtkampf im Autogewerbe: Warum ZDK und ZVK jetzt getrennte Wege gehen
Francesco SchenkMachtkampf im Autogewerbe: Warum ZDK und ZVK jetzt getrennte Wege gehen
Jahrelanger Streit zwischen zwei großen Automobilverbänden führt zu tiefgreifenden Reformen
Ein langwieriger Konflikt zwischen zwei führenden deutschen Automobilwirtschaftsverbänden hat zu umfassenden Änderungen bei der Verwaltung von Mitgliedschaften und Führungspositionen geführt. Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) hat seine Satzung grundlegend überarbeitet und behauptet, die Neuerungen spiegelten die "Realitäten der Branche" wider und erhöhten die Transparenz. Hinter der Reform steckt jedoch ein erbitterter Bruch mit dem Zentralverband Deutches Kraftfahrzeug-Handwerk (ZVK), der dem ZDK vorwirft, die Trennung durch finanziellen und strukturellen Druck erzwungen zu haben.
Die Spannungen zwischen ZDK und ZVK eskalierten, nachdem der ZVK Anspruch auf 95 Prozent der Mitgliedsbeiträge des ZDK erhoben hatte – was zu juristischen Auseinandersetzungen führte. Der ZDK reagierte mit einer Umgestaltung des Beitragssystems und änderte die Regeln für die Besetzung von Führungspositionen. Nach den neuen Bestimmungen soll zwar weiterhin ein Vorstandsposten aus dem Handwerk kommen, ein Automatismus gibt es jedoch nicht mehr – damit endet die bisherige Garantie für ZVK-Mandate.
Zudem schaffte der ZDK die bisherige Praxis gemeinsamer Personalentsendungen in Gremien ab. Künftige Besetzungen sollen stattdessen durch demokratische Abstimmungen in der Mitgliederversammlung entschieden werden. Vorstandspositionen seien "keine erblichen Lehen", betonte der Verband, sondern müssten in offenen Verfahren erworben werden.
ZDK-Präsident Thomas Peckruhn und Geschäftsführer Jürgen Hasler präsentierten die im Januar beschlossenen Reformen als notwendigen Schritt zur Modernisierung der Organisation. Peckruhn räumte zwar die Belastungen für die Betriebe ein, ließ aber die Tür für eine konstruktive Rückkehr des ZVK offen. Parallel dazu führt der ZDK direkte Mitgliedschaftswege für Werkstätten ein: Diese können sich künftig auch dann dem Bonner Hauptsitz anschließen, wenn ihre Landesverbände austreten. Geplant sind zudem regionale Informationskampagnen, um die Änderungen und ihre Auswirkungen zu erläutern.
Während die Abgasuntersuchungsgebühren (AÜK) einst ein Hauptstreitpunkt waren, haben sich die rechtlichen Auseinandersetzungen dazu weitgehend erledigt. Kein Bundesland hat die Beitragsstrukturen des ZVK angefochten, und in öffentlichen Unterlagen finden sich keine formalen Beschwerden betroffener Landesverbände. Der ZDK jedoch besteht darauf, dass die wahren Gründe für die Trennung weit über die Gebührenfrage hinausgehen.
Die Reformen markieren einen klaren Kurswechsel im ZDK: Die automatische Vertretung des ZVK entfällt, und die Kontrolle über die Mitgliedschaften wird gestrafft. Werkstätten haben nun alternative Wege, um dem Bonner Verband verbunden zu bleiben – selbst wenn sich ihre regionalen Verbände abwenden. Wie es weitergeht, hängt davon ab, ob der ZVK eine Versöhnung sucht oder ob die beiden Organisationen künftig getrennte Wege gehen.