Kult-Disco Himmerich schließt nach 75 Jahren – ein Symbol für das Clubsterben
Francesco SchenkKult-Disco Himmerich schließt nach 75 Jahren – ein Symbol für das Clubsterben
Die Diskothek Himmerich in Heinsberg (Nordrhein-Westfalen) hat nach 75 Jahren plötzlich ihre Türen geschlossen. Das einstige lokale Wahrzeichen, das über 25 Millionen Besucher willkommen hieß und als einzige Tanzlocation in weiter Umgebung galt, steht damit für eine tiefgreifende Krise der deutschen Nachtkultur – viele ähnliche Einrichtungen kämpfen ums Überleben.
Der Niedergang des Himmerich spiegelt einen landesweiten Rückgang von Tanzlokalen wider. Gab es 2015 noch 2.042 Clubs in Deutschland, sind es 2024 nur noch 1.070. Betroffen sind sowohl ländliche Regionen als auch Großstädte, darunter bekannte Adressen wie das Starfish in Aachen oder der Untergrund in Bochum.
Steigende Kosten setzen die Clubs massiv unter Druck: Personalkosten, Getränkepreise, Sicherheitsaufwand, Künstlerhonorare und Energiekosten sind kontinuierlich gestiegen. Die Pandemie hat das Problem verschärft – junge Leute gewöhnten sich daran, zu Hause zu feiern oder stattdessen Festivals zu besuchen. Dating-Apps und Streaming-Dienste verringerten die Besucherzahlen zusätzlich, sodass viele Clubs heute leer stehen.
Der Branchenverband LiveKomm warnte kürzlich, dass mehr als die Hälfte der verbleibenden Clubs in Deutschland ohne zusätzliche Finanzhilfen nicht überleben können. Als Reaktion auf die Schließung des Himmerich hat eine Online-Petition bereits über 500 Unterschriften gesammelt – mit dem Ziel, die Wiedereröffnung zu erwirken.
Der Verlust des Himmerich ist ein weiterer Rückschlag für die schrumpfende Nachtkultur in Deutschland. Angesichts der sinkenden Zahl an Veranstaltungsorten wächst der Druck auf die verbleibenden Clubs, finanzielle Unterstützung zu sichern. Der frühe Erfolg der Petition deutet auf starke lokale Unterstützung hin – doch die Zukunft vieler ähnlicher Einrichtungen bleibt ungewiss.






