Hitzacker Sommer-Musiktage feiern Haydn als radikalen Innovator – nicht als "Papa"
Hans-Jürgen ZirmeHitzacker Sommer-Musiktage feiern Haydn als radikalen Innovator – nicht als "Papa"
Die 81. Hitzacker Sommer-Musiktage finden vom 25. Juli bis zum 2. August statt. In diesem Jahr rückt das Festival Joseph Haydn in den Mittelpunkt seines Programms – nicht als den vertrauten „Papa Haydn“, sondern als mutigen Innovator.
Der künstlerische Leiter Oliver Wille möchte Haydns scharfen Witz und direkte Energie durch neue Interpretationen freilegen. Die Musik des Komponisten beschreibt er als rein und tief berührend, besonders in unsicheren Zeiten.
Das Festival bietet ein vielfältiges Programm: vom Klaviermarathon mit Igor Levit bis zu Jazz-Arrangements von Til Brönner. Auch das Hamburg Ballett präsentiert eine tanzende Version von Haydns „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“.
Wille äußert sich zudem zu grundsätzlichen Fragen der klassischen Musik. Er fordert eine frühere musikalische Bildung in Schulen und Kindergärten und lehnt oberflächliche Versuche ab, jüngere Zuschauer etwa durch lockere Kleidervorschriften oder Essen bei Konzerten anzulocken.
Zu den jüngsten Vorwürfen gegen den Dirigenten John Eliot Gardiner betont Wille die Notwendigkeit von mehr Achtsamkeit und Sorgfalt. Er warnt vor pauschalen Schuldzuweisungen und voreiligen Urteilen. Stattdessen plädiert er für eine gemeinsame Erarbeitung neuer Standards für eine gesündere Berufskultur.
Das Festival verbindet Haydns Musik mit zeitgenössischen Perspektiven. Wille vereint künstlerischen Anspruch mit dem Aufruf zu Reflexion und Wandel in der Branche. Es verspricht musikalische Entdeckungen und eine breitere gesellschaftliche Debatte.
