Hindenburgs gescheiterter Kompromiss im Weimarer Flaggenstreit 1926
Francesco SchenkHindenburgs gescheiterter Kompromiss im Weimarer Flaggenstreit 1926
Der langjährige Flaggenstreit im Weimarer Deutschland erreichte im Mai 1926 einen Wendepunkt. Reichspräsident Paul von Hindenburg erließ die Zweite Flaggenverordnung in dem Versuch, die Spannungen zwischen den verfeindeten Lagern zu entschärfen. Sein Schritt folgte auf Jahre der erbitterten Auseinandersetzungen um die nationalen Symbole, die Linke und Mitte gegen die politische Rechte ausspielten.
Der Konflikt hatte sich während der Präsidentschaftswahl 1925 weiter zugespitzt und das Land in zwei Blöcke gespalten: Die einen unterstützten die republikanischen Farben Schwarz-Rot-Gold, die anderen forderten die Rückkehr zu den kaiserlichen Farben Schwarz-Weiß-Rot.
Der Streit hatte seinen Ursprung im Kompromiss der Nationalversammlung von 1919. Damals wurden Schwarz-Rot-Gold als Nationalflagge festgelegt, während die Handelsflagge beide Farbkombinationen vereinte. Doch dieser Beschluss beendete die Debatte nicht.
Bis 1925 war der Reichskunstwart Edwin Redslob damit beauftragt, eine einheitliche Reichsflagge zu entwerfen. Trotz unzähliger Entwürfe und eigener Vorschläge gelang es ihm nicht, die Gräben zu überbrücken. Seine Rolle – eigentlich dazu gedacht, Fragen der „künstlerischen Gestaltung“ des Reiches zu klären – erwies sich als wirkungslos, um den Konflikt beizulegen.
Die Diskussion flammte erneut auf, als die Deutsche Volkspartei (DVP) die Rückkehr zu den alten kaiserlichen Farben forderte. Der parteilose Reichskanzler Hans Luther reagierte mit einem Vorschlag, den Hindenburg übernahm. Am 5. Mai 1926 erließ der Präsident seine Verordnung: Sie bestimmte, dass deutsche Vertretungen außerhalb Europas sowohl die Nationalfarben als auch die Handelsflagge hissen sollten.
Hindenburg veröffentlichte zudem einen offenen Brief, in dem er eine verfassungsmäßige Lösung forderte, um die Lager zu versöhnen. Doch sein Kompromiss wurde als Teilerfolg der Rechten gewertet. Dies ermutigte die Konservativen, noch stärker auf die vollständige Wiedereinführung der Kaiserflagge zu drängen.
Die Verordnung brachte Luther Kritik von beiden Seiten ein. Linke und Mitte sahen darin ein Zugeständnis an reaktionäre Kräfte, während die Rechte es als unzureichend ansah. Der Flaggenstreit hatte die politischen Fronten verhärtet – eine Lösung war nicht in Sicht.
Die Zweite Flaggenverordnung trug kaum zur Beilegung des Konflikts bei. Zwar hissten deutsche Botschaften und Konsulate außerhalb Europas nun zwei Flaggen, doch im Inland blieben die Spannungen bestehen. Hindenburgs Versuch eines Kompromisses vertiefte stattdessen die Gräben und sorgte dafür, dass die Debatte um die nationalen Symbole weiterging.






