Hannovers SPD-Skandal: Ex-Fraktionsvize soll 740.000 Euro veruntreut haben
Hans-Jürgen ZirmeHannovers SPD-Skandal: Ex-Fraktionsvize soll 740.000 Euro veruntreut haben
Finanzskandal in Hannover: Ehemalige SPD-Fraktionsvize mit Verdacht auf Veruntreuung öffentlicher Gelder
In Hannover ist ein Finanzskandal um Hülya Iri, ehemalige stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, aufgeflammt. Ihr wird vorgeworfen, öffentliche Mittel ihres Vereins Integrationsarbeit Kronsberg veruntreut zu haben. Der Fall sorgt für Aufsehen, da prominente Politiker involviert sind und das Ausmaß der mutmaßlichen Verfehlungen beträchtlich ist.
Iri gründete den Verein Integrationsarbeit Kronsberg im Jahr 2018. Bis 2023 erhielt er vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) insgesamt 924.479 Euro für das Projekt Respekt Café Kronsberg. Doch bereits bis Juni desselben Jahres waren fast 740.000 Euro ausgegeben – ohne dass nachweisbare Projekte umgesetzt worden wären.
Unterstützung erhielt Iri unter anderem von Doris Schröder-Köpf, der ehemaligen Ehefrau von Altkanzler Gerhard Schröder. Diese schrieb Empfehlungsschreiben für sie. Auch Adis Ahmetović, Bundestagsabgeordneter und stellvertretender SPD-Landesvorsitzender in Niedersachsen, soll Warnungen vor der zweifelhaften Mittelverwendung ignoriert haben.
Iri und ihre Tochter Esma Bozdemir, die als Vereinsvorsitzende fungierte, traten von ihren Posten zurück und legten zudem ihre SPD-Mitgliedschaften ruhen. Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob öffentliche Gelder für Immobilienkäufe verwendet wurden – Bozdemir besitzt mehrere Objekte in Hannover.
Auffällig sind auch die stark gestiegenen Zahlungen an Iri: Ihr „Honorar“ kletterte von 1.000 Euro im Jahr 2022 auf 7.680 Euro im November 2023. Zusammen mit Bozdemir erhielt sie mindestens 685.000 Euro. Das Amtsgericht Hannover leitete inzwischen ein Insolvenzverfahren gegen den Verein ein.
Die SPD distanzierte sich von dem Verein und betonte, es gebe keine formale Verbindung zur Partei. Funktionäre wiesen darauf hin, dass alle Mitglieder strenge Richtlinien zur Verwendung öffentlicher Mittel einhalten müssten. Die Ermittlungen wegen des Verdachts auf Gelderveruntreuung laufen weiter, rechtliche Schritte sind bereits eingeleitet.
