Glasfaserausbau in Deutschland setzt auf offene Netze für mehr Wettbewerb
Francesco SchenkGlasfaserausbau in Deutschland setzt auf offene Netze für mehr Wettbewerb
Offene Netze gewinnen im deutschen Glasfaserausbau an Fahrt
Im deutschen Glasfasersektor setzt sich das Prinzip des offenen Netzzugangs zunehmend durch, da Unternehmen auf eine stärkere gemeinsame Nutzung der Infrastruktur drängen. Fast 300 Betreiber rollen bundesweit Glasfasernetze aus – viele von ihnen öffnen ihre Systeme mittlerweile für Drittanbieter. Branchenvertreter betonen, dass dieser Wandel entscheidend sei, um die Netzwerkauslastung zu maximieren und der Kundennachfrage nach mehr Auswahl gerecht zu werden.
Der Schub für offenen Netzzugang kommt zu einer Zeit, in der 1&1 Versatel meldet, dass 83 Prozent seiner Kunden den Wunsch haben, flexibel zwischen Anbietern wechseln zu können. Frank Rosenberger, Unternehmenssprecher, nannte diese Nachfrage als zentralen Treiber für die Veränderung. Gleichzeitig räumte Steven Blount von EWE Tel ein, dass offene Netze zwar höhere Anfangsinvestitionen erfordern, dafür aber sicherstellen, dass die Infrastruktur ihre volle Kapazität ausschöpft.
Pionierarbeit leistet hier Deutsche GigaNetz, das bereits Kooperationen mit dem schwedischen Internetdienstanbieter Bahnhof und Westconnect geschlossen hat. Auch Plusnet bereitet sich darauf vor, seine Dienste über die Netze von OXG anzubieten. Ein weiteres Zeichen für den Trend setzt die Stadtwerke Neustadt am Rübenberge, die ihren Glasfaserausbau bis 2030/2031 für Drittanbieter öffnen will.
Auch die Regulierungsbehörden beobachten die Entwicklung genau. Daniela Brönstrup, Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur (BNetzA), fordert strengere Kontrollen für Fälle, in denen offener Netzzugang nicht zustande kommt. Der Entwurf des Telekommunikationsgesetzes (TKG) sieht nun vor, dass in Gebieten mit nur einem wirtschaftlich tragfähigen Glasfasernetz verpflichtende Verhandlungen über Drittzugänge geführt werden müssen.
Um den Prozess zu vereinfachen, hat die Branche S/PRI eingeführt – eine standardisierte Schnittstelle, die die Kompatibilität zwischen verschiedenen Glasfasernetzen verbessern soll.
Die Bewegung hin zu offenen Netzen ist sowohl eine Reaktion auf Marktanforderungen als auch auf regulatorischen Druck. Mit fast 300 Betreibern, die den Glasfaserausbau vorantreiben, zielt die Entwicklung auf mehr Wettbewerb und Effizienz ab. Wie sich die Breitbandinfrastruktur in Deutschland in den kommenden Jahren weiterentwickelt, wird maßgeblich von diesem Wandel abhängen.






