Deutsche Wirtschaft zerrissen: Soll die AfD aus der Isolation geholt werden?
Hans-Jürgen ZirmeDeutsche Wirtschaft zerrissen: Soll die AfD aus der Isolation geholt werden?
In der deutschen Wirtschaftswelt zeichnet sich eine wachsende Spaltung ab, wenn es um den Umgang mit der rechtspopulistischen Partei Alternative für Deutschland (AfD) geht. Während einige Unternehmer für eine Aufhebung der politischen Quarantäne – der jahrzehntelangen Ausgrenzung der AfD – plädieren, bestehen führende Wirtschaftsverbände auf einer strikten Distanz zur Partei.
Die Debatte verschärfte sich, nachdem mehrere prominente Wirtschaftspersönlichkeiten die langjährige Ächtung der AfD kritisiert hatten. Die Unternehmerin Sarna Rößer nannte diese Taktik „arrogant“ und behauptete, sie habe die Position der Partei nur gestärkt. Wolfgang Grupp, Geschäftsführer des Bekleidungsherstellers Trigema, sprach sich zwar für eine kontrollierte Migration aus, argumentierte aber, dass der Ausschluss einer demokratisch gewählten Partei demokratische Grundsätze untergrabe.
Caspar Brockhaus, Chef der Brockhaus Group, ging noch einen Schritt weiter: Die politische Quarantäne lähme die deutsche Politik und Wirtschaft, erklärte er. Sollte die aktuelle Koalition es nicht schaffen, die Wettbewerbsfähigkeit des Landes wiederzubeleben, müsse man über neue demokratische Bündnisse nachdenken.
Doch die großen Wirtschaftsverbände bleiben bei ihrer ablehnenden Haltung. Rainer Dulger, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), schloss jeden Dialog mit extremistischen Parteien – ob von rechts oder links – kategorisch aus. Dirk Jandura, Präsident des Bundesgroßhandels-, Außenhandels- und Dienstleistungsverbands (BGA), betonte, die AfD müsse sich zunächst klar von Extremismus und antieuropäischer Politik distanzieren, bevor überhaupt Gespräche infrage kämen. Franz-Olaf Kallerhoff, Präsident des Markenverbands, warnte davor, dass eine Stärkung der AfD die soziale Marktwirtschaft in Deutschland gefährden würde.
Der Streit spiegelt die größeren Spannungen wider, wie mit dem wachsenden Einfluss der AfD umgegangen werden soll. Die Wirtschaftselite ist gespalten zwischen Befürwortern eines Dialogs und Verfechtern der politischen Isolation. Wie dieser Konflikt ausgeht, könnte die künftigen Beziehungen zwischen der deutschen Wirtschaft und der politischen Landschaft prägen.






