Deutsche Luftfahrtbranche kämpft mit Kostenexplosion und schwacher Nachfrage
Diethelm WeißDeutsche Luftfahrtbranche kämpft mit Kostenexplosion und schwacher Nachfrage
Die deutsche Luftfahrtbranche steht unter massivem Druck – durch steigende Kosten und schwache Nachfrage. Seit Mai 2023 haben der Zusammenbruch von Spirit Airlines und explodierende Ausgaben Tausende Arbeitsplätze gefährdet. Nun verschärfen sich die Turbulenzen durch wechselnde Steuerpolitik und hohe Spritpreise.
Im Mai 2023 stellte Spirit Airlines nach 62 Jahren den Betrieb ein und wurde zum prominentesten Opfer der Branchenkrise. Die Pleite bedrohte rund 10.000 Jobs in der Luftfahrt und spiegelte die finanzielle Not wider, unter der der gesamte Sektor leidet.
Ein Jahr später, im Mai 2024, erhöhte Deutschland die Luftverkehrsteuer (LuftVSt) um 19,4 Prozent. Die Airlines kämpften bereits mit drastisch gestiegenen Kosten: Der Preis für Kerosin hat sich seit Dezember 2022 mehr als verdoppelt. Treibstoff macht mittlerweile 20 bis 30 Prozent der Betriebsausgaben aus – die Lufthansa muss für 2025 zusätzliche 1,7 Milliarden Euro einplanen.
Die Passagierzahlen erholen sich nur langsam. 2025 fertigten deutsche Flughäfen 219,8 Millionen Reisende ab – immer noch 12,4 Prozent unter dem Rekordwert von 2019. Die schwache Konjunktur dämpft die Nachfrage, sodass Airlines und Flughäfen kaum Schwung entwickeln.
Die jüngste Gesetzesreform der Regierung sorgt für zusätzliche Verunsicherung. Nach der Steuererhöhung 2024 schlagen Politiker nun eine Senkung um 16,1 Prozent vor. Gleichzeitig fordert die AfD eine vollständige Abschaffung der Abgabe bis zum 1. Dezember 2024. Kritiker werfen der Politik vor, mit diesen widersprüchlichen Signalen die ohnehin labile Marktlage weiter zu destabilisieren.
Die für Juni 2023 angekündigte Nationale Luftfahrtstrategie Deutschlands soll die Herausforderungen angehen. Doch Branchenexperten zweifeln, ob sie ausreicht, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zu sichern.
Die Luftfahrt steckt in der Zwickmühle: zwischen steigenden Kosten, inkonsistenter Politik und zögerlicher Erholung. Während die Spritpreise weiter klettern und die Passagierzahlen noch immer unter dem Vor-Corona-Niveau liegen, bleibt die Zukunft der Airlines ungewiss. Die nächsten Schritte der Regierung werden entscheiden, ob die Branche zur Stabilität findet – oder weitere Rückschläge erlebt.






