16 March 2026, 00:55

Bundeswehr reformiert Fallschirmjägerregiment nach Skandalen um Drogen und Extremismus

Eine Gruppe von Männern in Militäruniformen marschiert die Straße entlang, einer hält einen Stock in der Hand, mit Text unten: "Zusätzliche Miliz, Ausmarsch für Zwanzig-Tage-Vergnügen."

Führen in Herausfordernden Zeiten - Bundeswehr reformiert Fallschirmjägerregiment nach Skandalen um Drogen und Extremismus

Die Bundeswehr hat einen umfassenden Maßnahmenkatalog gestartet, um schwerwiegendes Fehlverhalten innerhalb des Fallschirmjägerregiments 26 in Zweibrücken zu bekämpfen. Auslöser für die Reformen waren Berichte über sexuelle Übergriffe, Drogenmissbrauch und rechtsextreme Tendenzen. Ziel ist eine glaubwürdige Aufarbeitung und ein Neuanfang. Die militärische Führung hat sich intern bis Anfang April gesetzt, um die meisten Folgen des Skandals zu bereinigen.

Die Krise spitzte sich im Dezember zu, als zwei bewaffnete Soldaten auf einem Weihnachtsmarkt in Zweibrücken aufgefunden wurden. Dieser Vorfall lenkte die Aufmerksamkeit erneut auf das Regiment, das bereits wegen mehrfacher Verstöße untersucht wurde. Bisher wurden neun Soldaten entlassen, gegen 19 laufen Entlassungsverfahren. Vier weitere Fälle werden noch geprüft.

Die disziplinarischen Konsequenzen sind weitreichend: 18 Soldaten erhielten offizielle Rügen, 17 wurden vom Dienst suspendiert, und 16 Fälle wurden an die Staatsanwaltschaft übergeben. Zudem laufen 20 militärische Disziplinarverfahren und zwei gerichtliche Prozesse. Zehn Entlassungen sind bereits vollzogen.

Die Reaktion des Heeresinspekteurs umfasst eine vierteilige Strategie: Durch Beobachtungsbesuche soll das Verhalten der Einheit überwacht werden, während strukturelle Reformen systemische Schwächen beheben sollen. Präventions- und Resilienzmaßnahmen werden ausgebaut, begleitet von Änderungen in den militärischen Karrierewegen. Oberst Martin Holle, der im vergangenen Herbst das Kommando übernahm, betonte, dass Resilienztrainings künftig auch rechtsextreme Tendenzen, Drogenmissbrauch und Verstöße gegen die sexuelle Selbstbestimmung thematisieren werden.

Eine separate Schulung mit etwa zwei Dutzend Soldaten ist für nächste Woche geplant. Diese Initiative läuft unabhängig vom übergeordneten Maßnahmenplan.

Um die Fortschritte zu überwachen, wird die militärische Führung vierteljährlich "Statuskonferenzen der Luftlandetruppen" abhalten, bis eine umfassende Bewertung zum Jahresende erfolgt. Oberst Holle, ein 25-jähriger Bundeswehr-Veteran mit Einsätzen in Afghanistan, den USA und in NATO-Funktionen, besteht darauf, dass es um einen vollständigen Kulturwandel im Regiment gehe.

Die Bundeswehr strebt an, die meisten Disziplinarverfahren bis Ostern abzuschließen, was den Beginn des zweiten Quartals markiert. Mit Entlassungen, Dienstenthebungen und laufenden Ermittlungen rückt nun der Fokus auf langfristige Reformen. Der Erfolg dieser Maßnahmen wird in einer umfassenden Evaluation bis Jahresende bewertet.

AKTUALISIERUNG

Frühere Beschwerden und Führungswechsel enthüllen tiefgreifende Probleme

Neue Details zeigen, dass der Skandal bereits Monate früher begann als bisher berichtet. Frauen in der Armee brachten ihre Bedenken erstmals im Juni 2025 beim Parlamentarischen Beauftragten für die Streitkräfte vor. Oberst Oliver Henkel, der seit 2022 Kommandeur des Regiments war, wurde im Oktober 2025 im Zuge der Untersuchungen abgelöst und ebnete so den Weg für Oberst Martin Holles Reformbemühungen.