Armutsrisiko in Deutschland steigt – doch bei Niedriglöhner:innen sinkt es überraschend
Hans-Jürgen ZirmeArmutsrisiko in Deutschland steigt – doch bei Niedriglöhner:innen sinkt es überraschend
Armutsrisiko in Deutschland steigt auf 16,3 Prozent – doch bei Niedriglöhner:innen sinkt es
Die Armutsgefährdungsquote in Deutschland ist auf 16,3 Prozent der Bevölkerung gestiegen. Doch bei Beschäftigten mit Stundenlöhnen unter 12 Euro hat sich das Risiko um 5,5 Prozentpunkte verringert. Diese gegensätzlichen Entwicklungen haben die Debatte über die Wirksamkeit des Mindestlohns neu entfacht.
Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Haushaltsnettoeinkommens in Deutschland zur Verfügung hat. Zwar ist die Armutsquote insgesamt angestiegen, doch der Rückgang bei Geringverdiener:innen deutet auf eine leichte Verbesserung ihrer Einkommenssituation hin.
Eine Studie des Kölner Instituts für Wirtschaftsforschung (IW) kommt zu dem Schluss, dass eine schrittweise Erhöhung des Mindestlohns auf 14,60 Euro bis 2027 nur geringe Auswirkungen auf die Armut hätte. Ein Mindestlohn von 15 Euro etwa würde die Armutsquote lediglich um 0,2 Prozentpunkte senken. Zudem warnt das IW, dass die Effekte auf die Rentenansprüche von Vollzeitbeschäftigten begrenzt bleiben könnten.
Befürworter:innen eines höheren Mindestlohns verweisen auf die unmittelbare Entlastung für Beschäftigte, die bisher unter der Grenze verdienten. Kritiker:innen hingegen argumentieren, dass steigende Lohnkosten Unternehmen von Einstellungen abhalten könnten. Diese Spannung wirft die Frage auf, ob der Mindestlohn weiterhin ein wirksames Instrument im Kampf gegen Armut ist.
Die aktuellen Daten zeigen ein zwiespältiges Bild: Ein sinkendes Armutsrisiko für manche Niedriglöhner:innen, aber eine insgesamt steigende Quote. Selbst mit den geplanten Erhöhungen scheint die Fähigkeit des Mindestlohns, Armut spürbar zu verringern, begrenzt. Die Diskussion über seine gesamtwirtschaftlichen Folgen wird voraussichtlich anhalten.






