Albaniens umstrittenes Resort-Projekt spaltet Politik, Umwelt und Investoren
Diethelm WeißAlbaniens umstrittenes Resort-Projekt spaltet Politik, Umwelt und Investoren
Albanien steht im Zentrum einer wachsenden Kontroverse, die ausländische Investitionen, politische Bindungen und Umweltbedenken vereint. Das Balkanland, in dem Europas erster Nationalpark für Wildflüsse liegt, gerät wegen eines milliardenschweren Resort-Projekts mit Verbindungen zu Jared Kushner und der Annäherung seiner Regierung an US-amerikanische und israelische Interessen in die Kritik.
Die Regierung von Ministerpräsident Edi Rama hat Schritte unternommen, die Albanien eng an die USA und Israel binden. Dazu gehören der Beitritt zu Donald Trumps „Friedensgremium“ sowie die Entsendung von Friedenssoldaten in den Gazastreifen. Gleichzeitig hat Rama die Volksmudschaheddin (MEK), eine iranische Oppositionsgruppe, als Instrument gegen Teheran instrumentalisiert.
Ein mit Kushner verbundenes Unternehmen erhielt von Ramas Regierung den Status eines „strategischen Investors“, was es ihm ermöglicht, Umweltprüfungen für ein geplantes Resort im geschützten Vjosa-Narta-Delta zu umgehen. Das Projekt hat öffentliche Empörung ausgelöst, und Bürger protestieren im Rahmen der sogenannten „Flamingo-Revolution“ gegen die befürchtete Zerstörung der Küstenregion. Albaniens Anti-Korruptionsbehörden haben inzwischen Ermittlungen zu dem Deal eingeleitet.
Die Europäische Union, die Albanien 2014 den Kandidatenstatus verlieh, hat wiederholt auf Korruption und eine schwache Rechtsstaatlichkeit im Land hingewiesen. Brüssel könnte Tirana nun unter Druck setzen, indem es mehr Transparenz fordert und Beitrittshilfen an Fortschritte im Kampf gegen Korruption knüpft.
Der Streit wirft ein Scherbenbild an Themen auf – vom Umweltschutz über politische Allianzen bis hin zu finanzieller Verantwortung. Wie Albanien mit dem Kushner-Deal und seinen Verbindungen zur MEK umgeht, könnte die künftigen Beziehungen zur EU prägen. Die Untersuchung des Resort-Projekts wird eine entscheidende Prüfung für den Reformwillen der Regierung sein.
