09 May 2026, 12:12

AfD-Politiker Tillschneider provoziert mit Rede zum 81. Jahrestag der NS-Befreiung

Offenes Buch mit handgeschriebenen Tagebucheintragungen eines deutschen Soldaten, der im Zweiten Weltkrieg getötet wurde, gefüllt mit detailliertem Text.

AfD-Politiker Tillschneider provoziert mit Rede zum 81. Jahrestag der NS-Befreiung

Dr. Hans-Thomas Tillschneider, stellvertretender Landesvorsitzender der AfD Sachsen-Anhalt, hielt bei den Feierlichkeiten zum 81. Jahrestag der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus eine umstrittene Rede. Seine Äußerungen stellten die seit langem etablierte deutsche Erinnerungskultur infrage.

Statt das Ende des NS-Regimes als Befreiung zu würdigen, kritisierte er eine „absurde Schuldkultur“ und hinterfragte das historische Selbstverständnis Deutschlands. Tillschneider erkannte zwar die Befreiung als solche an, deutete sie jedoch als Verlust. Er beschrieb sie als „Preis für die Amputation riesiger deutscher Kulturlandschaften“. Im Anschluss lehnte er die Idee einer kollektiven Schuld ab, bezeichnete sie als „eingebildet“ und argumentierte, die Deutschen hätten sich im Nachhinein mit den Siegermächten solidarisiert, um sich der eigenen Geschichte nicht stellen zu müssen.

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Er ging noch einen Schritt weiter und diskreditierte die berühmte Rede Richard von Weizsäckers aus dem Jahr 1985 – einen Meilenstein der deutschen Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit – als „geistige Kapitulation“. Unter Berufung auf den verstorbenen Politiker Franz Josef Strauß forderte Tillschneider eine „normale deutsche Identität“ und lehnte eine „ewige Vergangenheitsbewältigung als dauernde Buße“ ab.

Kritiker reagierten umgehend und warfen der AfD Sachsen-Anhalt vor, aus der Geschichte nichts gelernt zu haben. Statt die Befreiung als Moment der Erlösung zu begreifen, scheine die Partei vielmehr die militärische Macht der Wehrmacht zu betrauern, so der Vorwurf.

Tillschneiders Rede hat die Debatte über das deutsche Geschichtsbild neu entfacht. Seine Ablehnung kollektiver Schuld und seine Kritik an der Nachkriegsreflexion bringen ihn in Gegensatz zu den vorherrschenden gesellschaftlichen Ansichten. Die Haltung der AfD zum Gedenktag hat erneut Fragen aufgeworfen, wie die Partei mit der deutschen Vergangenheit umgeht.

Quelle